Warum vegan

Veganismus ist eine Lebensweise, bei der auf den Verzehr und Gebrauch jeglicher Tierprodukte verzichtet wird. Dazu gehören sowohl Fleisch, Milchprodukte oder Eier, als auch Leder, Wolle und Kosmetikprodukte, für die Versuche an Tieren durchgeführt wurden. Veganismus ist damit keine reine Ernährungsform, sondern eine Lebensweise.

Auch wenn diese Definition nicht grundsätzlich falsch ist, so betont sie doch den falschen Aspekt des Veganismus. Hierbei steht nicht der Verzicht im Vordergrund. Vielmehr ist Veganismus die Hingabe für eine ethischere und gerechtere Welt. Aber warum sollte eine vegane Welt ethischer und gerechter sein? Das Argument hierfür lässt sich in drei große Bereiche unterteilen: Gesundheit, Umwelt und Ethik.

Ethik

„Tiere werden in unserer Gesellschaft nach ihrer Nützlichkeit eingeteilt: „Versuchstiere“ dienen dem wissenschaftlichen Fortschritt, „Zirkustiere“ unterhalten, „Nutztiere“ produzieren Milch, Fleisch oder Eier und „Haustiere“ sind zum Kuscheln da. Diese Kategorien haben keinerlei biologische Grundlage. Sie verdeutlichen stattdessen den willkürlichen menschlichen Nutzungsanspruch gegenüber Tieren: von ökonomischer Verwertbarkeit bis zu sozialer Nützlichkeit.

System Nutztierindustrie

Die zugeschriebenen Kategorien entscheiden über das Leben der entsprechenden Tiere. „Nutztiere“ zum Beispiel sind ihr gesamtes Leben unermesslicher Gewalt ausgesetzt. Schweine, Kühe und Hühner leben typischerweise dicht gedrängt in riesigen Ställen, auf maximale „Leistung“ gezüchtet und an die Haltungsform angepasst: Kastration, Schnabelkürzen, Enthornen oder Zähne schleifen sorgen für eine möglichst reibungslose Produktion. Auftretende Probleme werden mit Antibiotika gelöst. Alle Tiere werden zum ökonomisch sinnvollsten Zeitpunkt, nach einem Bruchteil ihrer Lebenserwartung, getötet.

Speziesismus

Gerechtfertigt wird die sinnlose – sind doch Fleisch, Milch und Eier ernährungsphysiologisch unnötig – Ausbeutung von „Nutztieren“ durch eine hierarchische Weltanschauung, die den Menschen als Krone der Schöpfung versteht. Diese Diskriminierung aufgrund der Artzugehörigkeit wird als „Speziesismus“ bezeichnet. Gemäß der speziesistischen Logik ist der Mensch allen anderen Arten überlegen und darf deshalb Tiere versklaven.

Der Speziesismus steht in einer Reihe mit anderen „-ismen“ wie Rassismus und Sexismus, also der Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe oder Geschlecht. Alle „-ismen“ haben gemein, dass eine privilegierte Gruppe willkürlich ein Kriterium definiert, das die Ungleichbehandlung legitimieren soll.

 Wir brauchen Tierrechte

Die Tierrechtsbewegung will die Gewaltkultur gegen Tiere überwinden und kämpft als soziale Bewegung für die Anerkennung unveräußerlicher Grundrechte (wie z.B. das Recht auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit) für Tiere – ebenso wie für Menschen – und die Befolgung ethischer Grundsätze beim Umgang mit Tieren. Welche Grundrechte welchen Tierarten zugesprochen werden, variiert zwischen verschiedenen Positionen und tierethischen Konzepten.

Quelle: www.ariwa.org

Umwelt

In der Tierindustrie werden durch den Verdauungsprozess und die Ausscheidungen der „Nutztiere“ erhebliche Mengen an Methangas und Stickoxiden freigesetzt. So produziert die Viehzucht jährlich insgesamt 115 Millionen Tonnen Methan, ein Treibhausgas, das 21-mal so klimaschädlich ist wie CO2. Für die Gewinnung von Weideland und Anbauflächen für Futtermittel werden Regenwälder abgeholzt, die ebenfalls zum Klimawandel beitragen. Dadurch wird auch CO2 freigesetzt, das vormals im Boden gebunden war. Die Zerstörung der „Grünen Lungen“ und die damit verbundenen Klima-Auswirkungen geht zum größten Teil auf das Konto der Tierindustrie – und der Konsumenten tierischer Produkte.

Klima-Hebelwirkung durch Tierprodukte

Für ein Kilo Fleisch wird ca. das 10-15-fache an Futtermitteln benötigt, die von den Tieren verstoffwechselt werden. Dabei entstehen Wärme und große Mengen Gülle. Insbesondere Rinder setzen bei der Verdauung („Pansengärung“) große Mengen an Methangas frei, das deutlich klimawirksamer ist, als CO2. Produkte vom Rind gelten daher als besonders klimaschädlich. Für konzentrierte Tierprodukte – wie Butter oder Käse – gilt das besonders. Der Verzehr von Tierprodukten hat durch den enormen Einsatz von Ressourcen also eine ungleich stärkere Hebelwirkung auf den Klimawandel, im Vergleich zum Verzehr pflanzlicher Lebensmittel.

Auch die Haltung, Schlachtung und Verarbeitung sowie der Transport der Tiere/Tierprodukte benötigt viel Energie. So trägt beispielsweise auch der Anteil klimaschädlicher Treibhausgase durch die Beheizung der Ställe von weltweit ca. 1 Milliarden Rindern erheblich zur globalen Bilanz bei.

Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, dass eine vegane Ernährung aktiver Klimaschutz ist.

Quelle:  www.vegpool.de

Gesundheit

Laut der American Academy of Nutrition and Dietetics (ADA), also in etwa dem US-amerikanischen Pendant der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), ist eine vegane Ernährung für alle Lebensabschnitte angemessen (PubMed). Dies schließt die Schwangerschaft, Stillzeit, das Säuglings-, Kindes- und Jugendalter ein. Ebenso ist sie für Senioren und Athleten geeignet. Ähnliche große Organisationen von Ernährungsexperten aus Großbritannien, Kanada, Australien oder Portugal teilen die Ansicht, dass eine gut geplante vegane Ernährung gesund und bedarfsdeckend ist. Dies ist für das Argument für Veganismus von zentraler Bedeutung, denn würden wir Tierprodukte benötigen, um gesund zu leben, dann wäre das an Tieren verursachte Leid und der Schaden an der Umwelt gerechtfertigt – wenn auch nicht in dem heutigen Ausmaß. Wenn wir uns aber vegan gesund ernähren können, warum sollten wir Tiere dann ausbeuten und töten?

Doch neben diesen Überlegungen sind zwei weitere wichtige Punkte zu beachten: die Produktion von Tierprodukten ist einerseits maßgeblich für die Bildung von antibiotikaresistenten Keimen mitverantwortlich und erhöht andererseits das Risiko neuer Pandemien.

Anders als bei uns Menschen, werden Tieren in der Massentierhaltung antimikrobielle Substanzen wie Antibiotika oft nicht bei Bedarf verabreicht, sondern vorbeugend während ihres gesamten Lebens. Dies ist nicht zuletzt häufig aufgrund der inakzeptablen hygienischen Zustände in den Ställen erforderlich. Global werden rund 70% aller Antimikrobiotika Tieren verabreicht (Van Boeckel et al., Science 2019). Bakterien in Tieren, die nicht abgetötet werden, können Resistenzen entwickeln und auf Menschen übertragen werden. Die Bedrohung durch solche antibiotikaresistenten Keime ist enorm. So enorm, dass Großbritanniens Regierung ihre Bedrohung für die Menschheit auf einer Stufe mit dem Klimawandel einordnet (gov.uk). Wenn Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren, ist jede Operation, jede noch so kleine Wunde potentiell lebensbedrohlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb, Tieren Antibiotika nur noch bei Bedarf zu verabreichen und dabei Wirkstoffe zu priorisieren, die für die Behandlung von Menschen nicht oder von geringer Bedeutung sind (WHO). Nicht angesprochen wird jedoch die grundlegendere Lösung: die Abschaffung der Massentierhaltung.

Das gleiche Phänomen ist in der Diskussion rund um die aktuelle Coronapandemie zu beobachten. Der Elefant im Raum wird ignoriert. Etwa 75% aller neu auftauchenden Infektionskrankheiten stammen aus Tieren und rund 60% aller Krankheitserreger sind zoonotisch (FAO). Dabei handelt es sich um Erreger, die sowohl in Tieren als auch in Menschen vorkommen, und vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Darunter fallen beispielsweise die Vogelgrippe, die Schweinegrippe, das Nipah-Virus, Ebola und HIV (Albert Schweizer Stiftung). Aber auch bei dem Influenza-Virus handelt es sich um eine Zoonose. Eine Mutation des Influenza-Virus, die die sogenannte Spanische Grippe auslöste, tötete in den Jahren 1918/19 etwa 20 bis 40 Millionen Menschen in der bisher tödlichsten Pandemie der Geschichte (Reid et al., PNAS 1999). Und auch das neuartige Coronavirus, das die aktuelle Pandemie verursacht, ist zoonotischen Ursprungs. Intensive Tierhaltung erhöht durch den Kontakt zwischen Menschen mit einer großen Zahl von Tieren die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung zoonotischer Krankheiten. Auch der Kontakt und Handel mit Wildtieren wie beispielsweise auf den Wildtiermärkten in Wuhan kann zu solchen Übertragungen führen. Ein Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung kann deshalb die Wahrscheinlichkeit einer neuen Pandemie verringern.